Bericht zur deutsch-japanischen Jugendbegegnung in Saitama (Japan)

14. Juni 2026

Der internationale Jugendaustausch des Badmintonverbands Rheinhessen-Pfalz mit der Saitama Sakae Junior and Senior High School stellte eine besondere Form der Jugendbildung dar, bei der Sport bewusst als pädagogisches Mittel eingesetzt wurde, um interkulturelle Begegnung, Persönlichkeitsentwicklung und gemeinsames Lernen zu ermöglichen 

Gruppe von Jugendlichen posiert für ein Gruppenfoto in einem Sportraum, während eine Person das Foto macht.

Die Maßnahme begann am 22. März 2026 mit der Anreise nach Japan. Nach einer ersten Phase des Ankommens und der Orientierung konnten die Teilnehmenden ab dem 25. März aktiv in den Schul- und Trainingsalltag integriert werden. Bereits das erste gemeinsame Training war ein prägender Moment: Auf fünf Feldern trainierten 39 Spielerinnen und Spieler gemeinsam. Diese intensive Trainingsatmosphäre wirkte auf die Gruppe zunächst überwältigend, zugleich aber auch motivierend und verbindend. Die Teilnehmenden wurden von Beginn an sehr offen, freundlich und respektvoll aufgenommen. Der direkte Teilnehmerkontakt und der intensive Austausch auf persönlicher und kultureller Ebene erfolgte mit der U17/U19-Trainingsgruppe, welche 10 Spielerinnen und Spieler umfasste.

Ein besonderer Dank gilt dem Head Coach Mr Nagura, der die Gruppe persönlich abgeholt und in die Schulstruktur eingeführt hat, sowie den Trainern Mr. Shimada, Mr. Oya, Mr. Kento und Mr. Takuichi, die durch ihre tägliche Arbeit einen entscheidenden Beitrag zur Qualität der Begegnung geleistet haben.

Im Zentrum der Maßnahme stand nicht der Leistungssport, sondern das gemeinsame Erleben, Lernen und Wachsen. Der Sport diente als verbindendes Element, um Kommunikation auch ohne perfekte Sprachkenntnisse zu ermöglichen und Begegnung auf Augenhöhe zu schaffen 

Neben den sportlichen Einheiten war das Kennenlernen der japanischen Kultur ein wesentlicher Bestandteil. Die Teilnehmenden erhielten direkte Einblicke in Alltagsstrukturen und gesellschaftliche Normen. Dazu gehörten unter anderem:

  • das geordnete Anstellen beim Einsteigen in Züge 
  • respektvolles und ruhiges Verhalten im öffentlichen Raum 
  • grundlegende japanische Kommunikationsformen und Höflichkeitsregeln 
  • eigenständiges Einkaufen und Orientierung im Alltag 

Gruppe junger Menschen vor dem Omiya Station West Gate Area Map in Japan bei sonnigem Wetter

Diese Erfahrungen ermöglichten ein unmittelbares Lernen im Alltag und förderten interkulturelle Sensibilität sowie Selbstständigkeit.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil war die kulturelle Bildung durch Exkursionen, wie beispielsweise der Besuch der Altstadt von Kawagoe. Dort konnten die Teilnehmenden nicht nur historische Hintergründe kennenlernen, sondern auch ein tieferes Verständnis für die gesellschaftliche Entwicklung Japans gewinnen. Ergänzt wurde dies durch Einblicke in die Geschichte der Saitama Sakae High School sowie in die regionale Entwicklung.

Besondere Bedeutung hatten auch Begegnungsformate außerhalb des Trainings, wie ein gemeinsames Traineressen. In diesem Rahmen fand ein offener Austausch über Themen wie Familienleben, Arbeitsalltag und gesellschaftliche Werte statt. Diese Gespräche ermöglichten eine tiefere kulturelle Verbindung und ein gegenseitiges Verständnis über den sportlichen Kontext hinaus.

Im täglichen Miteinander wurde deutlich, dass Freude und Disziplin im japanischen Trainingssystem eng miteinander verbunden sind. Die Teilnehmenden erlebten, wie durch klare Strukturen und hohe Trainingsintensität gleichzeitig Raum für individuelle Entwicklung und persönliche Entfaltung entsteht. Diese Erfahrung stellte einen wichtigen Lernimpuls dar, sowohl für den sportlichen als auch für den persönlichen Bereich.

Auch der schulische Kontext prägte die Begegnung maßgeblich. Die Teilnehmenden konnten den Alltag an der Partnerschule direkt miterleben – von Schuluniformen bis hin zu strukturierten Tagesabläufen und dem täglichen Weg zur Schule. Dadurch entstand ein umfassendes Verständnis für das japanische Bildungssystem und dessen Werte wie Disziplin, Gemeinschaft und Verantwortungsbewusstsein 

Ein zentraler Bestandteil der Maßnahme war die bewusste Reflexion der gemachten Erfahrungen. In gemeinsamen Gesprächen konnten die Teilnehmenden ihre persönlichen Lernprozesse einordnen und für ihren Alltag greifbar machen.

Dabei wurde deutlich, wie unterschiedlich und gleichzeitig wertvoll die individuellen Erkenntnisse waren:

Eine Teilnehmerin nahm insbesondere die Bedeutung von Offenheit mit. Sie erkannte, dass Kommunikation nicht ausschließlich über Sprache erfolgt, sondern auch über Körpersprache, Mimik und Ausstrahlung. Für ihren Alltag bedeutet dies, bewusster mit einer positiven Haltung aufzutreten, häufiger zu lächeln und aktiv auf andere zuzugehen. Zudem entwickelte sie den Wunsch, jüngere Mitschülerinnen und Mitschüler stärker zu unterstützen und ihnen Orientierung zu geben.

Ein weiterer Teilnehmer hob den Aspekt der Disziplin hervor. Er lernte, sich gezielt auf eine Aufgabe zu konzentrieren und Ablenkungen bewusst auszublenden. Diese Erfahrung möchte er sowohl im sportlichen als auch im schulischen Alltag umsetzen, indem er sich klar auf einzelne Inhalte fokussiert und diese konsequent verfolgt.

Zwei Männer halten einen Wimpel mit Japan-Emblem in einem japanischen Vereinsraum

Ein dritter Teilnehmer beschrieb als zentrales Learning die Freude am eigenen Tun. Er nahm mit, Dinge, die ihm wichtig sind, selbstbewusst umzusetzen – unabhängig davon, wie andere darüber denken. Diese Erkenntnis stärkt ihn darin, seinen eigenen Weg zu gehen und Entscheidungen aus innerer Überzeugung zu treffen.

Eine weitere Teilnehmerin reflektierte insbesondere die Themen Geduld und Achtsamkeit. Sie lernte, geduldiger mit sich selbst umzugehen – sowohl im sportlichen Kontext als auch im Alltag. Gleichzeitig entwickelte sie ein stärkeres Bewusstsein für Spielfreude und die Fähigkeit, auch an kleinen, alltäglichen Dingen Freude zu finden. Diese Haltung überträgt sie aktiv in seinen Alltag, indem sie im Training verstärkt positive Aspekte bei anderen wahrnimmt und bewusst anspricht. Zudem versucht sie, Situationen achtsamer zu erleben, wodurch sie kleine, positive Momente bewusster wahrnimmt und wertschätzt.

Neben diesen individuellen Entwicklungen zeigte sich auch ein deutlicher sozialer Lerneffekt. Die Teilnehmenden übernahmen Verantwortung – sowohl für sich selbst als auch für die Gruppe. Sie lernten, ihr Verhalten an neue Situationen anzupassen, Rücksicht zu nehmen und aktiv zum Gelingen der Gemeinschaft beizutragen. Besonders im sportlichen Kontext wurde deutlich, wie wichtig Teamverantwortung, gegenseitige Unterstützung und respektvolles Miteinander sind.

Durch die Kombination aus sportlicher Aktivität, kultureller Erfahrung und gemeinsamer Reflexion konnten die Teilnehmenden ihre sozialen, personalen und interkulturellen Kompetenzen nachhaltig erweitern. Die gemachten Erfahrungen wirken über die Maßnahme hinaus und werden aktiv in den Alltag, die schulische Entwicklung sowie in das Vereinsleben übertragen.

Insgesamt war der Aufenthalt geprägt von Offenheit, gegenseitigem Respekt und intensiven Lernerfahrungen. Die Jugendbegegnung war somit weit mehr als eine Reise – sie war ein nachhaltiger Bildungsprozess, der sowohl sportliche als auch persönliche Entwicklung ermöglichte und langfristige Perspektiven für die Teilnehmenden eröffnete.

KJP Förderlogo des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
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