Begegnung in Bewegung – Interkulturelles Lernen durch kooperativen Sport

21. Februar 2026

Der deutsch-französische Jugendaustausch 2026 zwischen unserer Gruppe aus Kaiserslautern und den französischen Partnern in Straßburg wurde im Februar vom 1. bis zum 5. erfolgreich durchgeführt. Der Austausch war klar strukturiert und verband sportliche Ausbildung mit interkulturellem Lernen im Sinne der Zielsetzungen des DFJW.

Gruppe vor dem Eingang des CREPS Strasbourg

Abweichend vom ursprünglich beantragten Zeitraum (Anreise Montag, Abreise Freitag) erfolgte die Anreise bereits am Sonntag, die Rückreise am Donnerstag, da die französische Seite parallel eine weitere Veranstaltung spontan zu absolvieren werden musste. Das geplante pädagogische und sportliche Programm wurde vollständig umgesetzt und zeitlich entsprechend angepasst.

Die Teilnehmerin Eva Dimitrov musste krankheitsbedingt kurzfristig absagen. Alle übrigen auf der eingereichten Liste aufgeführten Jugendlichen nahmen durchgehend am gemeinsamen Lehrgang teil. Weitere französische Jugendliche waren täglich im Trainingsumfeld, wie auch im Bereich des CREPS (Zentrum für Ressourcen, Expertise und Sportleistung) anwesend.

Der im Antrag benannte Teammanager Maxime Leroux war während des Projekts vor Ort. Die formale Bestätigung erfolgte durch seinen Stellvertreter Roman Jay, da die Unterschrift organisatorisch nicht mehr eingeholt werden konnte.

1. Kooperative Trainingseinheiten im Mixed-Team-Format

Von Beginn an arbeiteten die Jugendlichen in deutsch-französischen Teams. Bereits in der ersten gemeinsamen Einheit mussten sie eigenständig herausfinden, wie Kommunikation mit unterschiedlichen Sprachvoraussetzungen gelingen kann.

Die Trainingsformen waren bewusst kooperativ angelegt:

  • Aufgaben konnten nur im Tandem gelöst werden
  • taktische Absprachen mussten gemeinsam getroffen werden
  • Feedback erfolgte gegenseitig zwischen deutschen und französischen Partnern

Da die Arbeitssprache Französisch und Englisch war, waren die deutschen Jugendlichen aktiv gefordert, sich sprachlich einzubringen. Gleichzeitig lernten die französischen Jugendlichen einzelne deutsche Begriffe und Fachausdrücke im sportlichen Kontext.

Die Jugendlichen entwickelten zunehmend Strategien, um Verständigung zu sichern: einfache Sprache, Gestik, Demonstration, Wiederholung. Dieser Prozess war sichtbar und wurde reflektiert.

Kinder beim Fitnesstraining auf Matten im Fitnessstudio

2. Tägliche Reflexions- und Feedbackrunden

Ein zentraler Bestandteil waren strukturierte Reflexionsgespräche:

  • Morgenrunden („Wie geht es mir heute?“)
  • Feedback nach Trainingseinheiten
  • Abendliche Austauschformate im Apartment
  • gemeinsame Auswertung nach Programmpunkten

Diese Gespräche fanden sowohl im offiziellen Rahmen als auch im kleineren Gruppensetting statt.

Thematisiert wurden:

  • persönliche Lernfortschritte
  • sprachliche Herausforderungen
  • kulturelle Unterschiede
  • Teamdynamik

Die Jugendlichen lernten, Rückmeldung wertschätzend zu formulieren und eigene Bedürfnisse offen zu kommunizieren.

 

Jugendliche beim Badminton-Training in einer Sporthalle

3. Interkulturelle Workshops und kulturelles Lernen im Alltag

Der interkulturelle Austausch erfolgte nicht nur im Seminarraum, sondern im realen Sozialraum Straßburg.

Gemeinsame Besuche in Pâtisserien und typischen Straßburger Restaurants ermöglichten authentische Sprachsituationen. Die Jugendlichen:

  • bestellten eigenständig
  • führten kurze Gespräche
  • erklärten kulturelle Besonderheiten
  • verglichen Essgewohnheiten

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf dem Austausch zu Trainingsphilosophien in Deutschland und Frankreich. Gemeinsam wurden Unterschiede diskutiert, unter anderem:

  • Rolle von Schule und Gesellschaftlichem Sport
  • Trainingsintensität und -struktur
  • pädagogische Herangehensweisen
  • Umgang mit Stresssituationen und Druck

Diese Einheiten wurden gemeinsam vorbereitet und dialogisch durchgeführt. Ziel war es, Perspektiven zu erweitern und voneinander zu lernen.

 

4. Teamaufgaben im Tandem

Sportpädagogische Koordinations- und Teamaufgaben wurden bewusst so gestaltet, dass sie nur im binationalen Tandem lösbar waren.

Hier standen im Mittelpunkt:

  • Vertrauen
  • nonverbale Kommunikation
  • Problemlösestrategien
  • gegenseitige Unterstützung

Die Jugendlichen mussten sich auf unterschiedliche Arbeitsweisen einstellen und gemeinsam Lösungen entwickeln.

 

5. Sprachförderung

Die tägliche Sprachanimation wurde methodisch vielfältig umgesetzt. Hierbei unterstützen uns Maxime Leroux, Romain Jay wie auch Julien Fuchs als „Dolmetscher“ und „Übersetzer“.

Sprachbarrieren wurden sichtbar reduziert. Besonders auffällig war, dass sich die Jugendlichen im Verlauf der Woche zunehmend trauten, spontan zu sprechen. In ihren schriftlichen Eigenreflexionen beschrieben sie es als besonders wertvoll,

  • sich in einer anderen Sprache ausdrücken zu können
  • Hemmungen zu überwinden
  • kulturelle Unterschiede besser zu verstehen

 

6. Gemeinsames Kochen und Lernort CREPS

Das eigenständige Kochen war ein wichtiger pädagogischer Baustein. Die Jugendlichen planten, organisierten und bereiteten Mahlzeiten gemeinsam vor.

Am Standort CREPS – dem zentralen Stützpunkt unserer gemeinsamen Aktivitäten – fanden mehrere gemeinsame Essen und Austauschformate statt. Dieser Ort wurde von den Jugendlichen als besonders verbindend wahrgenommen.

In der Evaluation wurde das gemeinsame Essen am CREPS mehrfach als Höhepunkt genannt.

 

7. Anpassung des Stadtprojekts

Das ursprünglich geplante Stadtprojekt mit Mini-Reportagen konnte aufgrund der zeitlichen Verschiebung und der Integration des französischen Turniers nicht in der vorgesehenen Form durchgeführt werden.

Stattdessen wurden die interkulturellen Elemente stärker in die Trainings-, Alltags- und Restaurantbesuche integriert. Die Zielsetzung – kulturelle Sensibilisierung und aktive Sprachpraxis – wurde dadurch weiterhin erfüllt.

Nachhaltigkeit und Perspektive

Der Austausch führte zu intensiven persönlichen Kontakten. Die Jugendlichen tauschten Kontaktdaten aus, verabredeten sich für zukünftige Begegnungen und signalisierten großes Interesse an einer Fortsetzung der Partnerschaft.

Ein Gegenbesuch in Kaiserslautern sowie weitere Folgeprojekte sind in Planung. Es sind weitere Maßnahmen noch in 2026 geplant.

Kinder und Jugendliche beim Badminton-Training in einer Sporthalle

Fazit

Trotz der organisatorischen Anpassung der Reisedaten wurde das strukturierte Programm mit seinen zentralen pädagogischen Bausteinen vollständig umgesetzt.

Die Kombination aus kooperativem Training, kontinuierlicher Reflexion, interkulturellen Workshops, gelebter Sprachpraxis und gemeinsamer Alltagsgestaltung entsprach unseren gesetzten Zielsetzungen und trug nachhaltig zur Förderung interkultureller Kompetenz, Sprachmotivation und Partnerschaftsentwicklung bei.

 

Statement von Christian Stern:

„Der Austausch hat meine Erwartungen in mehrfacher Hinsicht übertroffen. Besonders beeindruckend war der offene und vertrauensvolle Dialog – nicht nur zwischen den Jugendlichen, sondern auch im fachlichen Austausch mit den französischen Trainerinnen, Trainern und begleitenden Erwachsenen. Die Gespräche waren konstruktiv, lösungsorientiert und von echtem Interesse an langfristiger Kooperation geprägt. Es wurden mehrere konkrete Ansätze für Folgeprojekte und gemeinsame Entwicklungsschritte diskutiert.

Ebenso bemerkenswert war die Entwicklung der Jugendlichen innerhalb weniger Tage. Sie übernahmen zunehmend Verantwortung für ihren Tagesablauf, organisierten Abläufe eigenständig mit und bewegten sich sicherer in einer strukturierten, aber selbst mitgestalteten Umgebung.

Besonders wertvoll war zu beobachten, wie offen sie sich auf neue kulturelle Kontexte eingelassen haben. Getragen von einem gemeinsamen sportlichen Motiv fanden sie schnell Zugang zueinander, überwanden sprachliche Unsicherheiten und stellten sich täglich neuen Herausforderungen.

Die Freude der Kinder, sich in einem zunächst unbekannten Umfeld zurechtzufinden, miteinander Lösungen zu finden und gemeinsam zu wachsen, war deutlich spürbar. Genau darin liegt für mich der nachhaltige Wert dieser Begegnung.“

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